Mikroarchitektur
Der Begriff "Mikroarchitektur" findet in verschiedenen Zusammenhängen Anwendung:
 
-Mikro und Makro, eine Frage der Relation
 
-Beeinflussung der Struktur von Architektur durch die Mikroarchitektur der Details
 
-mikroarchitektonische Konzepte, die eine Schnittmenge zwischen Raum und Objekt bilden
 
-Raum in Raum, Makroarchitektur umschließt Mikroarchitektur
 
-Mikroarchitektur in Form von Einraumhauskonzepten
 
-Raumskulpturen, die als mikroarchitektonische Zeichen nur Teilaspekte vollwertiger Gebäude erfüllen
 
-mikroarchitektonische Interventionen
 
...und weitere, die es noch zu entwickeln und beschreiben gilt!
"Stadtregal 1" 2006
Design:
Dipl.-Ing. Andreas Janson
Dipl.-Ing. M.A. Matthias Kulcke
 
Mikroarchitektur als Stadtraumintervention
"Stadtregal 2" 2006
Design:
Dipl.-Ing. Andreas Janson
Dipl.-Ing. M.A. Matthias Kulcke
 
Mikroarchitektur als Stadtraumintervention
"Wanderkapelle" 2005
Design:
Dipl.-Ing. Andreas Janson
 
mikroarchitektonische Raumskulptur
"Aussenraumtheater Niebüll" 2006
Design:
Dipl.-Ing. Andreas Janson
Dipl.-Ing. M.A. Matthias Kulcke
 
mikroarchitektonische Raumskulptur
"Zollzaunbühne" 2008
Design:
Dipl.-Ing. M.A. Matthias Kulcke
 
Mikroarchitektur als Stadtraumintervention
und Raumskulptur
Buchbesprechung:
Thomas Herzog, Roland Krippner
und Werner Lang (Hrsgg.)
"Fassaden Atlas" zweite Auflage

 
 
Edition DETAIL - Institut für internationale Architektur-Dokumentation GmbH & Co.KG München
 
12 Jahre nach dem ersten Erscheinen des "Fassaden Atlas" legen die Autoren eine überarbeitete und ergänzte Ausgabe vor. Auf Vorwort und Einführung folgen die Kapitel Grundlagen, Materialspezifische Konstruktionen und Sonderthemen.
 
Im einleitenden Aufsatz wird die historische Entwicklung der Fassade und ihrer Funktionsebenen skizziert, es wird auf entwurfliche Anforderungen, bspw. bezüglich der Frage des Alterns der eingesetzten Materialien und Konstruktionen, eingegangen. Im Ausblick wird u. a. auf den Einfluss digitaltechnisch gestützten Entwerfens und Produzierens auf die Gestalt der schließlich produzierten Fassade hingewiesen. So seien z. B. differenzierteste Aufteilungen (Tesselation) planerisch und technisch durch den Einsatz von CAD/CAM-Technologien in vielfältigerer Weise als zuvor denk- und realisierbar.
 
Im Kapitel A werden funktionale Anforderungen, konstruktive Prinzipien und ästhetische Grundlagen behandelt. In Abschnitt 2.3 werden dabei unter der Überschrift "Modulare Ordnung" Aspekte der Entwicklung einer Fassadengliederung diskutiert, nicht ohne den obligatorischen Verweis auf die Symmetria nach Vitruv und die Säulenordnung als Ursprünge einer "maßlichen Koordination".
 
Die zweite Auflage des "Fassaden Atlas" wurde insbesondere im Teil B erweitert und um aktuelle Beispiele aus dem vergangenen Jahrzehnt ergänzt. Die Gliederung erfolgt hier materialbezogen in der Reihenfolge Naturstein, Tonstein, Beton, Holz, Metall, Glas und Kunststoff - jedes Material wird dabei einführend mit Blick auf Erscheinung, Verarbeitungsmöglichkeiten und Anwendungsbereiche behandelt. Die vorgestellte reiche Auswahl an Baubeispielen bringt es mit sich, dass diese allenfalls in Ansätzen im Hinblick auf nicht visualisierte Aspekte diskutiert werden können (bspw. besondere Anforderungen oder unkonventionelle Lösungen bei der Bauausführung). Auch über Probleme des Betriebs älterer Gebäude und die Art und Weise inwiefern sich ihre Fassadenkonstruktionen mit Blick auf das "würdige Altern" bewähr(t)en erfährt der Leser so weniger als vielleicht wünschenswert erscheint. Hilfreich sind hier jedoch die zu jedem Bauwerk aufgeführten Hinweise zu weiterführenden Quellen, die die eigene Recherche erheblich erleichtern
 
Neu hinzugekommen sind zu den Sonderthemen der ersten Auflage die Kapitel "Installierte Fassaden", "Sanierung/Fassaden im Bestand" und "Begrünte Fassaden" was zu einem gut hundertseitigen eigenständigen Teil C mit sechs Sonderthemen in der zweiten Auflage geführt hat.
 
Dipl.-Ing. Matthias Kulcke M.A.
EditionDetail"Fassaden Atlas"
Herausgeber:
Herzog, Krippner, Lang
04.07.2017 – DETAIL Produktpreis 2017
weitere Info
Buchbesprechung:
Michaela Neugebauer "Ladenbau"
 
Edition DETAIL - Institut für internationale Architektur-Dokumentation GmbH & Co.KG München
 
Der bilderreiche Band von Michaela Neugebauer führt, aus der Perspektive professioneller Planer_innen, von Grundlagen, über Entwurf bis hin zu Ausführung und Abnahme durch den spezifisch auf Verkaufs- flächengestaltung ausgerichteten Planungsprozess. Die Autorin verortet die Innenarchitekt_innen dabei an der "Schnittstelle zwischen Marke, Planung und Umsetzung" und fordert, dass diese sich "mit Fachwissen und Erfahrung zu Planung und Bau in die vorderste Reihe" bei der Gestaltung von Verkaufsflächen stellen mögen. Dabei soll die vorgelegte Publikation bspw. mit besonderen Hinweisen zum Briefing, der Analyse des Kundenlaufs und Ausführungen zu relevanten innen- architektonischen Bauteilgruppen unterstützen.
 
Einleitend besticht die Bereitstellung eines Überblicks über die möglichen Touchpoints zwischen Kund_innen und Marken bzw. Markenprodukten vor dem Hintergrund des Wandels derselben durch die fortschreitende Etablierung des Online-Handels. Der Hinweis, dass Ladengestaltung bereits mit einer solchen ganzheitlichen Analyse beginnen kann und sollte, ist wertvoll und Zeugnis für die umfangreiche Auseinandersetzung der Autorin mit der Thematik. Unter der Überschrift "Das Briefing" geht sie dann auf die Feinheiten der Erhebung besonderer Bedarfe und Strategien auf Seiten gewerblicher Auftraggeber_innen ein und schärft den Blick für entscheidende Aspekte dieser frühen Planungsphase.
 
In der Folge liefern diverse aktuelle Beispiele, die differenziert analysiert und diskutiert werden, mehr als nur schöne Inspirationen zu konkreten Formen und Materialien; mit ihnen werden die Ebenen der besonderen Planungsaufgabe "Verkaufsfläche" ge- konnt illustriert. Aktuell für Planer_innen interessant sind auch die Exkurse in das vielleicht nicht mehr brandneue, nichtsdestotrotz noch tieferer Erforschung und kreativer Ausarbeitung harrende Thema der Pop-Up Stores sowie die Beschreibungen der Einbindung digitaler Technologien.
 
Der Blick in die Werkstätten derer, die Ladeneinbauten produzieren und teilweise Planungsleistungen mit übernehmen, klingt im Kapitel "Von der Vergabe bis zur Abnahme" an, die Feinheiten einer zeitgenössischen CAD/CAM-gestützten, bspw. tisch- lermäßigen Planung und Produktion, die auch für Ladengestalter_innen von Interesse wären, werden nicht angesprochen. Hier sind Potentiale für einen thematischen Ausbau der vorliegenden Publikation.
 
Das Buch erfüllt die Ansprüche eines gut reflektierten Anregungswerks und ist damit für den Einsatz im Rahmen der Ausbildung sowie der professionellen Betätigung empfehlenswert.
 
Dipl.-Ing. Matthias Kulcke M.A.
EditionDetail "Ladenbau"
Autorin:
Michaela Neugebauer
Buchbesprechung:
Christian Schittich (Hrsg) "Mikroarchitektur"
 
Erschienen in der Reihe imDETAIL Edition DETAIL - Institut für internationale Architektur-Dokumentation GmbH & Co.KG München
 
Sechs Jahre nach der ersten Veröffentlichung der Zeitschrift für Architektur + Baudetail zum Thema Mikroarchitektur, Ausgabe 12/2004 der DETAIL Magazinreihe, folgte Mitte 2010 die 176-seitige Hardcover-Publikation "Mikroarchitektur" von Christian Schittich (Hrsg), erschienen in der Reihe imDETAIL.
 
Die Autor_innen erörtern den Begriff der Mikroarchitektur überwiegend an Beispielen von Kleinstbehausungen und Kleinstnutzungsräumen. Der erste Textbeitrag von Lydia Haack und John Höpfner im Anschluss an die Einführung liefert dabei die Definition, die sich als roter Faden durch die Publikation zieht: Mikro bedeute aus dem Griechischen übersetzt, schlicht "klein"; Mikro-Architektur oder Mikroarchitektur sei daher "kleine Architektur".
Dass es mit Verkleinerung alleine nicht getan ist, wird allerdings anhand vielseitiger Beispiele überzeugend und anregend aufgezeigt. So wird in der Folge die Mikroarchitektur als Schnittmenge zwischen Architektur und Produktdesign verstanden, was der Publikation weniger den Charakter etymologischer Vollständigkeit beim Nachspüren des Begriffs und seinen konzeptuellen Möglichkeiten verleiht, als vielmehr eine pragmatische Heran-gehensweise für den Praktiker im Architekturentwurf und in der Architekturlehre darstellt.
Der Artikel von Gerhard Kalhöfer "Mobile Immobilien" bezieht dabei Möblierungskonzepte mit ein und gibt so Anregungen für Innenraumgestalter. Die Autor_innen nutzen die verschiedenen, überwiegend bereits realisierten Konzepte, zur Illustration ihrer Erörterungen, um allgemein bedeutsame Aspekte von Mikroarchitekturen zu erläutern: Transportfähigkeit, die damit verbundene Flexibilität, die größtmögliche Verdichtung von Raum durch Überlagerungen von Raumnutzungen, extensive Ausgestaltung der drei Raumdimensionen, sowie der zeitlichen Dimension u.a.; einige dieser Aspekte lassen sich dabei auf Lösungsfindungsprozesse in der "Makroarchitektur", den klassischen Hochbau übertragen.
Ansätze zu Kategorisierungen von Mikroarchitektur-Gebäudetypen werden ebenfalls sichtbar: Baumhäuser, Pavillons, Klapphäuser, Aufblasbare Gebäudehüllen, Mobile Häuser und Add-On Konstruktionen. Ein Anspruch auf Vollständigkeit wird dabei weder erhoben noch erfüllt, was sich aus der hohen Anzahl von Experimenten in diesem Bereich erklärt, die bspw. an den Hochschulen kontinuierlich entstehen und den Schritt in die Öffentlichkeit oft nicht schaffen.
Wer sich im Angesicht so mancher zeitgenössischer Bauwerke, z.B. platter symbolistischer Gebäudekonzeptionen als Teil zweifelhaften Stadtmarketings oder ewiger weißverputzter Wohnwürfel, der Meinung "Eigentlich ist Architektur doch langweilig" (Max W. Johow) kaum noch entziehen kann, der wird mit dieser Publikation definitiv eines Besseren belehrt.
 
Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Willkomm
Dipl.-Ing. Matthias Kulcke M.A.
imDetail "Mikroarchitektur"
Herausgeber:
Christian Schittich